Verkauf geplatzt: Post will StreetScooter-Fertigung einstellen

28. February 2020
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28. February 2020 ecokontor

Verkauf geplatzt: Post will StreetScooter-Fertigung einstellen

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Die Deutsche Post will die Produktion der Elektro-Lieferwagen bei ihrer Tochter StreetScooter noch in diesem Jahr einstellen. Wie der Konzern nun mitteilte, wird nicht mehr nach einem Käufer für die Elektroauto-Sparte gesucht. Dabei stand ein Verkauf an den chinesischen OEM Chery offenbar kurz vor dem Abschluss.

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur DPA sagte ein Postsprecher: „Neubestellungen wird es keine mehr geben.“ Die bestellten Fahrzeuge würden noch produziert, die Auslieferungen würden sich voraussichtlich noch bis ins nächste Jahr ziehen, so der Sprecher.

Zudem gab er an, dass man die Sondierungen für einen Käufer nicht mehr weiterverfolgen wolle. Damit ist die monatelange Suche nach einem Partner oder Käufer gescheitert. Als Grund gab die Post in einer Mitteilung die „aktuellen wirtschaftlichen Unsicherheiten“ an. „Wir haben immer gesagt, dass wir kein Autohersteller sein wollen“, so Post-Chef Frank Appel. „Eine weitere Skalierung ohne den richtigen Partner entspricht nicht unserer langfristigen strategischen Zielsetzung.“

Trotz der angekündigten Produktions-Einstellung soll StreetScooter nicht abgewickelt werden, die Konzerntochter werde stattdessen zu einem reinen Betreiber der Bestandsflotte, so die Post. Durch den Schritt seinen „einmalige Anpassungsaufwendungen zwischen 300 Millionen Euro bis 400 Millionen Euro zu erwarten“.

Der für das Frühjahr 2020 angepeilte Markteintritt in die USA ist damit hinfällig. Was aus den Beschäftigten in den StreetScooter-Werken Aachen und Düren wird, ist derzeit noch unklar.

Das lässt auch den Abgang von CEO Jörg Sommer in einem anderen Licht erscheinen. Der 2019 angetretene Sommer hatte die Suche nach einem Käufer stark vorangetrieben und sollte die Post-Tochter für einen Verkauf attraktiv machen. Anfang Februar gab die Post aber bekannt, dass Sommer wegen „unterschiedlichen Auffassungen zur zukünftigen Ausrichtung des Unternehmens“ StreetScooter verlassen habe. Mit dem Scheitern der Verkaufspläne wollte sich der Manager offenbar nicht abfinden.

Verkauf an Chery offenbar auf der Zielgeraden geplatzt

Vor allem, weil Sommer kurz davor war, einen Deal zu erreichen. Nach Informationen von electrive.net stand StreetScooter im Januar kurz vor dem Verkauf an den chinesischen Joint-Venture-Partner Chery. Aus gut informierten Kreisen hieß es, dass die Vereinbarung, sofern sie unterzeichnet werde, im März verkündet werden soll. Auch ein Kaufpreis im niedrigen dreistelligen Millionen-Bereich wurde genannt. Bereits damals gab es aber Stimmen, wonach der Verkauf noch auf der Ziellinie platzen könne – was nun offenbar geschehen ist. Die genauen Gründe für das Scheitern sind aber nicht bekannt.

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Ursprünglich hatten Chery und StreetScooter im September angekündigt, ein Joint Venture in China gründen zu wollen. Ziel der Zusammenarbeit sei es, gemeinsam ein elektrisches Nutzfahrzeug speziell für den chinesischen Markt und andere ausgewählte Länder zu entwickeln, teilte die Post damals mit. Die Absichtserklärung sah einen schrittweisen Einstieg in den chinesischen Markt für elektrische Nutzfahrzeuge vor, für 2021 war die Serienproduktion in China mit Produktionskapazitäten von bis zu 100.000 E-Fahrzeugen jährlich geplant.

„Mit der heute verkündeten Entscheidung werden wir auch die geplante Kooperation mit den chinesischen Partnern nicht fortführen“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage von electrive.net und fügte hinzu: „Ob Chery in China Elektrofahrzeuge bauen wird, entzieht sich unser Kenntnis.“

Post-Chef Appel wollte eigentlich Verkauf bis Ende 2019

StreetScooter hat in Deutschland zwei eigene Werke in Aachen und Düren sowie eine Fertigung des auf dem Ford Transit basierenden Work XL bei Ford in Köln – zu der Zukunft dieses Projekts hat die Post übrigens auch keine Angaben gemacht. Die zwei Fabriken mit Zulieferer-Struktur sowie den etablierten Kundenstamm mit Groß-Abnehmern wie eben der Deutschen Post und neuerdings Amazon wären wohl für Chery die interessanteren Punkte des Deals gewesen. Über ausreichend Erfahrungen beim Bau von E-Fahrzeugen verfügt Chery selbst, denn der Hersteller kommt unter den etablierten chinesischen OEM auf eine verhältnismäßig hohe E-Quote.

Dass es zwischen der Post-Zentrale in Bonn und der StreetScooter-Führung nicht allzu gut steht, hatte sich bereits im Herbst abgezeichnet. Kurz vor der für StreetScooter extrem wichtigen Premiere der zweiten Generation des Work L setzte Post-Chef Frank Appel öffentlich eine Deadline indem er in einem Interview sagte, er peile den Verkauf bis Ende 2019 an. „Unsere Investoren wollen ein Logistikunternehmen, keinen Autokonzern“, so Appel. Zudem musste er einräumen, dass bei StreetScooter für 2019 ein Verlust mit einem „signifikanten zweistelligen Millionenbetrag“ anfallen werde.
handelsblatt.com, car-it.com